
Dies ist mein Stammbaum
Rondom het Tolhuys aan Rijn en Waal
Chronologischer Reihenfolge eine Angabe der übrigen van der Waedens
Die Verbindung zwischen die "Verwa(a)ijen's" und "van der Waeden's".
Nach der Wassersnot von 1578/1579Dieser Stammbaum ist das Ergebnis fast vierzigjähriger Sammlung und Verarbeitung genealogischer Daten über die Familie Verwa(a)ijen. Er ist in dem unten abgebildeten Buch "Genealogie Verwa(a)ijen" abgedruckt, das im Oktober 1993 in einer Auflage von mehr als 300 Exemplaren an Interessenten verteilt wurde.

Der als erste erfaßte Vorfahr fast aller ermittelten Verwa(a)ijens ist Hendricus Verwaeije, 1494 Mitglied des Schöffengerichts von Ooij, unweit von Nimwegen. Im folgenden findet sich eine Abhandlung über seine Vorfahren und über die wahrscheinlichen Bande mit dem bereits 1260 erfaßten Rittergeschlecht van der Waden in der Region Over-Betuwe.
“Woher kamen sie?” Wenn man jemandem etwas vom
Verwa(a)ijen-Stammbaum erzählt, ist das fast immer die erste Frage. Nach
Jahrzehnten von Suchen und Unterbringen der verschiedensten Namensvetter kann
diese Frage mit ziemlich großer Sicherheit beantwortet werden: Im östlichen
Teil der Niederlande, wo der Niederrhein und die Waal sich trennen, findet
man das Land unserer Herkunft.
In grauer und ferner Vorzeit war diese Region, im
breiten Tal zwischen dem Montferland und den Mündungen des klevischen Reichswaldes,
bestimmt keine gastfreundliche Gegend.
Durch das Gebiet
der „Gelderse Poort“ strömten Niederrhein und Waal unbehindert ins heimatliche
Deltagebiet, sich selbst einen Weg suchend.
Irgendwann in dem Prozeß des Landanwuchses fingen
die Menschen an, sich in diesem Gebiet niederzulassen.
Am Anfang waren unsere weitläufigen Vorfahren den
Launen des Wassers in ihrer Umgebung völlig ausgesetzt. So etwa Anfang des
neunten Jahrhunderts fingen sie mit dem Bau der ersten Deiche an, um Häuser
und Land gegen das frei strömende Wasser zu schützen.
Kennzeichnend für diese Gegend sind denn auch die
vielen Kolke (tiefe Tümpel) an Stellen, wo das reibende Wasser den Deichbauern
wieder mal überlegen war.
Die Kolke werden auch “wiel” oder “waai” genannt
und diese letzte Bezeichnung bringt uns möglich zum Ursprung unseres Familiennamens.
Eine große Autorität im Bereich der Heimatgeschichte,
Herr A.G. van Dalen, hat eine imponierende Reihe von Büchern über unser Stammland
geschrieben. An verschiedenen Stellen stellt er einen Zusammenhang zwischen
dem alten, rittermäßigen Geschlecht “van der Wade” und unserer “Verwa(a)ijen-Familie”
fest.
In dem Buch “Rondom
het Tolhuys aan Rijn en Waal” (Verlag Walburg Pers 1972) sagt er:
“… de ridders en de knechten” oder “goede luyden” entsprangen meistens den
Stammbäumen der van Hoeckelums; van der Meer, später Vermeer, van der
Wade, später Verwa(a)ijen; die Beijers, die Meijs; van Avelaick
usw., deren Vorfahren im 13. und 14. Jahrhundert Dienstmannen und Lehnsmänner
der Grundherren, also “gemeine erven van hoeghen en leghen adel”, waren.
Und in dem Buch “De Gelderse historie in de Liemers”
(Verlag Nijgh en van Ditmar) schreibt van Dalen: “… Werner ter Wade,
dessen Gemahlin zu den Dienstmannen gehörte, war vielleicht ein Repräsentant
des Stammbaumes der van der Wades, die im 14. und 15. Jahrhundert oft in Pannerden
und Herwen angetroffen wurden. Dieser Stammbaum wird vom Haus “Die Waede”
oder “De Poll” unter Huissen herstammen …
Wenn van Dalen dann über die Tatsache weiterredet,
daß gewisse angesehene Familien die Ebene der Ritterschaft erreichten, andere
dagegen in den Bauernstand traten, nennt er als Beispiel diese Letzten beim
Namen:
“…. Also passierte es in Pannerden einer Familie
wie “van der Wade”, sogar rittermäßig. Aber im sechzehnten Jahrhundert
heißt einer abwechselnd “van der Waeijen” und “Verwaeijen”…
“; und etwas weiter noch: “… mit dem Verlorengehen der Erinnerung an die rittermäßige
Abstammung wurde die Annahme des Namens im Alltagsleben reguliert, so wie
hier “van der Wade” zu “Verwa(a)ijen” wurde … “.
Das oben erwähnte Gut “Die Waede” (“De Waaij”)
oder “De Pol” liegt südöstlich von Arnheim im südlichen Teil der Gemeinde
Huissen, genau auf der Grenze zu der Ortschaft Angeren. Da waren einige zusammenstehende
Gebäude, umgeben von Gräben und Mauern. Das Ganze war umgeben von Ländereien,
gelegen in Huissen (i.e. klevisch, ebenfalls in Angeren (i.e. geldernisch).
Im Jahre 1982 wurde auf diesem Gut eine archäologische
Untersuchung durchgeführt, die Kulturreste aus dem vierzehnten bis achtzehnten
Jahrhundert an den Tag brachte. Erdbohrungen haben sogar bewiesen, daß an
der Stelle der ehemaligen Bebauung schon vor dem vierzehnten Jahrhundert ein
bewohnter Ort gewesen sein muß.
Die älteste schriftliche Erwähnung des Gutes “Die
Waede” (der Name “De Pol” wird erst seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts
mehr und mehr benutzt) datiert vom 8. Juni 1347. Sie findet sich in einer
mit dem damaligen Stadtsiegel von Huissen versehenen Urkunde. Henricus de
Walla, Richter zu Huissen, und Cesarius Mechtildis sowie Gerard Duemen, Schöffe
zu Huissen, erklären, daß Philippus de Heecker seine Güter in Wada, genannt
“dat goeth in der Waden“, dem Ritter Theodorus de Bilandt überläßt.
Bis 1487 blieb das Gut im Besitz der van Bilandts, die niemals selbst auf
dem Gut gewohnt, sondern es andern als Lehen übertragen haben.
Unter diesen “andern” müssen wir also nach van Dalen
die ersten van der Waden suchen und deshalb auch die ersten Verwa(a)ijen.
In der Stadtbibliothek Rotterdam wird eine aus 1629 stammende Zeichnung von
J. Stellingwerf aufbewahrt, worauf das “Huijs Pol in de Overbetuw” abgebildet
ist.
Wie das Gut in den Anfangsjahren ausgesehen hat,
ist nicht bekannt, aber als es im Jahre 1659 zum Verkauf angeboten wird und
wieder den Besitzer wechselt, trifft die nachfolgende Beschreibung zu:
“… ein von Mauern und Gräben umgebenes adliges Haus, das “Die Waede” genannt wird. Es ist durch ein Torhaus mit einer Zugbrücke erreichbar. In dem Haus sind zwei Keller, eine Küche, ein Zimmer und ein Salon, drei Zimmer im oberen Stock, eine Tenne und noch ein paar Böden als Taubenschlag. Zu dem Haus gehören noch ein Wagenschuppen und ein Pferdestall. Es ist von einem Garten und einem Obstgarten umgeben. Außerhalb des Grabens findet man einen Bauernhof mit Schuppen. In dieser Gegend liegen geschlossen verschiedene Ländereien, eine Ochsenweide und eine Fischerei. Da ist ebenfalls eine Plantage mit Eichen, Eschen, Pappeln und Obstbäumen. Insgesamt ist die Größe 59 holländische Morgen, mit 34 Morgen in Huissen und 25 Morgen in Angeren”. (Huissen und Angeren liegen einige Kilometer südlich von Arnheim).
Aus Quellenforschung und Bodenstudien folgt, daß das Ganze aus einem Bauernhof entstanden ist. Ritterhöfe bestanden im vierzehnten Jahrhundert aus einem einfachen Wohnturm mit einigen Nebenhäusern. Das war damals die übliche Wohnung von Mitgliedern des Ritterstandes, und zwar besonders von denjenigen, die nicht über einen gespickten Geldbeutel verfügten. In einigen alten Urkunden haben wir verschiedene Mitglieder der van der Waden-Familie gefunden.
In dem Buch “Uit de oude historie van Pannerden” (A.G. van Dalen; Verlag “de Liemers”, Zevenaar 1970) findet sich die erste Erwähnung eines gewissen van der Wade. Im Jahre 1260 wird ein geldernisch-klevischer Ehevertrag geschlossen. An der Seite des Grafen Otto II von Geldern treffen wir einige angesehene Adlige, wie die Herren von Bergh, Wisch und Batenberg, an klevischer Seite u.a. “… Jan van der Wade, aus einer “ministerialen” Familie, gebürtig aus einem Haus bei Angeren, mit Sicherheit der Wohnsitz eines Familienzweigs in Pannerden seit dem vierzehnten Jahrhundert …”
“Ministeriale” waren Ritter im Dienste eines Grundherrn.
Jeder Grundherr verfügte über seine Dienstmannen, d.h. Menschen, die von ihm
ein höriges Gut als Nießbrauch bekamen und deswegen zum Dienst verpflichtet
waren, der Kriegsdienst bedeuten konnte.
Aus dieser Kategorie der Dienstmannen sind die “Ministerialen” hervorgegangen: Menschen, die dem Grundherrn als Ritter dienten, d.h. mit Rüstung und Pferd, und die auch manchmal im amtlichen Dienst des Herrn standen. Die Militärmacht eines Grundherrn gründete sich also auf seinen Grundbesitz. Je mehr “curtes” (Residenzen) mit Zugehörigen er besaß, umso mehr Dienstleuten konnte er in seine Militärmacht einschalten.
Es war ein System, daß sich entwickelte in einer Gesellschaft,
wo wenig oder kein Geld umlief. Bis zum zwölften Jahrhundert war Nordwest
Europa ein isoliertes Gebiet, abseits von Welthandel. Der Welthandel spielte
sich hauptsächlich ab in Länder um die östliche Mulde des Mittelmeeres,also
Italien, die Griechischen Länder um das Ägäische Meer und die arabischen Länder.
Aus dieser Isolierung folgte, daß es kaum Möglichkeiten gab zum Tauschverkehr,
also es gab keinen umfangreichen Handel und auch keine gewerbliche Rührigkeit
im Dienste des Handels oder Verkehrs. Man lebte in einer rein landwirtschafdichen
Wirtschaft: die Befriedigung der Konsum- und anderen Lebensbedürfnisse mußte
versorgt werden mit Produkte vom eigenem Boden. Wo es kein Tauschverkehr gibt,
läuft kein Geld um. Wer eine Gegenleistung schuldete wegen ihm gelieferte
Dienste, mußte diese Gegenleistung in Natura liefern. Hörige, die ein Gut
in Niessbrauch hatten, mußten einen Teil ihrer Produkte ablassen. Ein Grundherr,
der von seinen Leute Dienste forderte, mußte sie auch ernähren. Das machte
er oft durch ihnen einen Grundbesitz zu gewähren, den Wert und der Würdigkeit
der geforderten Dienste entsprechend.
Neben Dienstleuten gab es Lehnsmänner. Ein Dienstmann war,
genau wie ein Hörige, ein Unfreier. Das bedeutete, daß weder er noch seine
Nachkommen das Dienstverhältnis brechen konnten, es sei denn mit Zustimmung
seines Herrns. Er lieferte seine Dienste kraft seiner Dienstmannschaft. Sein
Grundbesitz war sein Lohn, womit er sich ernährte. Auf diesem Grundbesitz
ruhte - genau wie auf einem hörigen Gut - die jährliche Verpflichtung einen
gewissen Teil der Produktion ab zu lassen. Je nachdem es seit dem zwölften
Jahrhundert eine Zunahme des Geldumlaufs gab, wurden diese jährliche Verpflichtungen
ganz oder teilweise umgesetzt in fixe jährliche Zinsen.
Ein Lehnsmann war aber ein Freier. Es wurde vorausgesetzt
daß er ein Gut von seinem Herrn zu Lehen trug. Er hatte den Niessbrauch und
lieferte als Gegenleistung Militärdienst. Man konnte also sagen, daß für einen
Dienstmann der Niessbrauch "Lohn" war, und der von einem Lehnsmann
gelieferte Militärdienst Zinsenbezahlung war. Als Freier konnte ein Lehnsmann
das Dienstverhältnis brechen durch das Gut wieder dem Herrn zu übergeben.
Der Begriff "Lehnsmann" war höher eingestuft als der Begriff "Dienstmann",
genau wie ein freie Bauer jetzt höher steht als ein Pächter. Aber: ein großer
Pächter kann gesellschaftlich viel mehr bedeuten als mancher freie Bauer.
Ein Dienstmann konnte also auch gesellschaftlich wichtiger sein als ein Lehnsmann,
abhängig von die Posten die er bekleidete und in wessen Dienst er war. Je
nachdem das Ansehen eines Herren stieg, so stieg auch das Ansehen seiner Dienstleute.
Und je nachdem die Dienstleute mehr ansehnliche Posten bekleideten entstand
die Klasse der "ministerialen": Dienstleute von rittermäßigem Benehmen,
gesellschaftlich gleichstehend an Lehnsmänner oder sie sogar weit hinter sich
zurücklassen.
In chronologischer Reihenfolge
nachstehend eine Angabe der übrigen gefundenen van der Waeden's:
1. Am 26 Juni 1321 (feria sexta Post festum beati joannis
Baptisti) erklärt Gerardus van
Baersdonk, Richter in Bethue, dass Theodoricus Harolt und Mabylia, seine Ehefrau;
zusammen mit Herrn Petrus, Priester; Wilhelmus und Rabodus, Geschwister, Söhne
von Theodoricus und Mabylia; Gosuinis de Wade und Hermannus, Kinder
von Mabylia; und Margaretha, Schwester von Theodoricus; dem Commandator und
den Mitbrüdern des Hauses von Joannis von Jeruzalem zu Arnheim verkauft haben:
einen Garten, genannt "Bunghaerdt" im Pfarrbezirk Angeren; ein Stück
Land genannt "Campstucke" und ein Stück Bauland, genannt 'Langhebeme'.
Wonach sie diese Güter in Pacht bekommen haben für zehn Pfund kleine Pfennige
jährlig.
2. Am 6 April 1322 leistet Joannes de Wade zusammen
mit noch fünf anderen Bürgschaft.
3. Im Jahre 1325 pachtet Hermannus, Goswinus' Sohn van
Wade, ein Stück Land in "de Winckel" zu Angeren für 2½ Pfund
Kerzen jährlich.
4. Am 5 Februar 1338: ("Op Sente Agathendaghe jonckvrouwe")
erklärt Jan van ter Waden, Richter in de Overbetu, daß Gese Coppers
übertragen hat u.s.w . ..... 
5. Am 12 März 1380: Erklärung vom Pleban zu Wesel, daß Jobya,
Schwester des verstorbenen Herrn Theodoricus, Pleban zu Biesten, erkennt hat
seinetwegen an Gerardus Nyle zugunsten von Bertrandis van der Wade
drei Marken bezahlt zu haben.
6. Anno 1422: Goessen van der Waden verkauft ein
junges Rind für 4½ Arnheimer Gulden an die Gemeinde Nimwegen u.s.w......
7. In 1440 wird Aernt van der Waeden in einer Akte
genannt als ein von dem "goede" (i.e.: wohlhabende), "erbare,
reckelicke (i.e.: mehr oder weniger Ansehliche) kirspelslude (Pfarrbezirksleute)".
8. Im Jahre 1441 wird Arnt van der Waden in einer
Verwaltersrechnung genannt als Pächter vom Bauhof in de Bylandt, indem auch
Jan van der Waden genannt wird.
9. Am 17 Mai 1442 gibt Beert van der Waeden ihrem
Sohn Johan van der Waeden eine Vollmacht um aus ihrem Gut entehende
Zinsen zu verfügen.
10. Im Jahre 1449 wohnt Arnt van der Waeden in einem
der vier Bauernhöfe rundum Schloss Dorenburg (i.e.: das jetzige Schloss Doornenburg).
11. Am 29 Oktober 1459 bestätigen Theodorus Buck, Pfarrer;
Arndt van der Waeden und Jacob van Hokelum, Kirchenvorstandsmitglieder,
die Übertragung eines Zins u.s.w...
12. Am 14 Februar 1460 unterschreiben Hendrik van Aerde
und Ermgert, seine Ehefrau, in Gegenwart von Arnt van der Waeden einen
Schuldschein an Wilhelm, Herr von Bergh, Bijlandte und Hedell.
13. In der Verwaltersrechnung des Hauses Bergh über 1462/1463
erscheinen Arent van der Waeden wie auch Johan van der Waeden.
Die Verbindung zwischen die "Verwa(a)ijen's" und "van der Waeden's".
Es scheint allerdings in jeder Hinsicht glaubhaft, daß die
Verwa(a)ijen's abstammen von den Van der Waeden's und das auf
der Grenze zwischen Huissen und Angeren die ersten Spuren unserer Familie
angetroffen sind.
Ungeachtet des Rittermässigen Ursprungs unseres Stammbaumes
ist dies später im Bauernstand
hinaufgegangen. Daß ein Mann wie Henrick Verwaeije in 1494 Mitglied
war im Schöffengericht in Ooij, zeigt, daß er in seiner Umgebung ein leidlich
ansehener Mann war.
Dasselbe trifft zu auf seinen Enkel Petrus, der erreicht
hat "Waardgraaf" und Werkmeister unter Wilhelm, Graf van de Bergh
zu werden - wie wir weiter in der Genealogie noch sehen werden. Petrus' Sohn
Gerardus war Schöffe zu Gendt und sein Enkel Henricus war ein wichtiger Mann,
nicht nur Mitglied des Kirchenvorstandes zu Leuth, aber auch Schöffe und im
jahre 1680 sogar als Statthalter genannt.
Unter Inventarnummer 5000 findet man im Archiv Haus Bergh
(Rijksarchief Gelderland, Arnheim) ein schadhaftes Verzeichnis von 'Deichpflichtigen".
Das waren Leute, beauftragt mit normalen Unterhalt der Deichbauten, abgesehen
also von der Wiederherstellung nach einem Deichbruch oder sonstigen Kalamitäten.
Jeder Grundbesitzer war nämlich verantwortlich für den normalen Unterhalt
eines teil des Deiches. Dazu waren die Deiche verteilt in Streckenblöcker,
markiert von Pfählen.
Je nach Größe des Grundbesitzes hat jeder ein oder mehrere
Blöcke, oder viel mehr einen Teil so eines Blockes (manchmal sogar nur einige
Ruten zu 3,77 Meter) zu unterhalten. Dreimal im Jahr, im Frühjahr, Hochsommer
und im Spätjahr, kamen der Deirchgraf und die Deichschöffe "inspizieren"
um fest zu stellen ob jeder seine Pflicht erfüllt hat. Es wurde nachgeprüft
ob jeder Deichpflichtige seine Arbeit gemäß der Polderdienstordnung verrichtet
hat. Pachtherren wälzten diese Last ab auf die Pächter. Ein Pachtvertrag enthielt
immer die Klausel, daß die Pächter die normalen Deichlasten zu übernehmen
hatten. Das oben genannte verzeichnis umfaßt deshalb sowohl Pächter wie auch
kleine Grundbesitzer. Unter den 79 Namen des Verzeichnisses, ein Dutzend davon
vollkommen unleserlich, finden wir einen Johan van der Waeijen, Geurt
van der Waeijen, Wijer van der Waeijen und auch noch einen Derick
van der Waeijen, alle zu Pannerden.
In seinem Buch "Oude historie van Pannerden" (Verlag "De Liemers", Zevenaar 1970) notiert van Dalen dazu: "... mit Derick Vermeer sind wir wieder bei einer bekannten Familie. Damals schrieb man gewöhnlich "Van der Meer", also eine Entwicklung analog an die Schreibweise: van der Waeden, van der Waeijen zu- Verwaeijen"...".
Es handelt sich in dieser Abrechnung um Lieferungen und
Transport von Materialen und Arbeit an den Deiche. Man spricht von Lieferung
und Transport von "vimmen" (i.e.: je 104 Bündel) Holz, "slieten"(dünne
Stämme Unterholz) und Pfähle; vom Holzschnitt, Lieferung und Transport vom
Mist u.s.w. Man kann aus dieser Abrechnung abnehmen, daß an erster Stelle
harte Arbeit geleistet wurde um den Deich zu verstärken und zu erhöhen, wo
Einstürzungen drohten. Man füllte Schalungen mit Mist, versuchte das Überfließen
des Wassers vorzubeugen, indem später an die Reparatur des doch noch gebrochenen
Deiches gearbeitet wurde. Dazu wurden dann die Einwohner in sofern und so
lange wie nötig im Tagelohn aufgerufen. Unter diesen Einwohnern treffen wir
auch Peter Verwaeijen, den Mann, der am 4 September 1581 von Graf van
de Bergh als "Waard"Graf von der Bergische Waard unter Pannerden
angestellt wurde. (Archiv Haus Bergh, regestenlijst nr. 3685).
Außer der fortwährenden Kämpfe gegen das Wasser hatten unsere
Vorfahren noch mit viel mehr Beschwerden und Elend zu tun. Die Gegend bekam
mehr als ihren Teil von der Kriegsgewalt, nicht nur während der noch frisch
in Erinnerung liegenden Befreiungszeit im zweiten Weltkrieg, sondern auch
schon vor vier Jahrhunderten. Der Kampf zwischen den Spanischen und Staatsen
Truppen hat große Teile von Gelre in
verbrannte Erde umgestaltet. Die Landbewohner in Betuwe, Liemers und Maas
und Waal wurden entkräftet durch die schweren Beiträge und das Brandschatzen,
aufgelegt von beiden Seiten. Ganze Dörfe lagen verlassen, die Einwohner waren
geflüchtet, ihre Häuser zerstört und ausgebrannt. Pest- und andere Seuchen
griffen um sich herum unter eine Bevölkerung, die durch Hunger und Elend nur
noch wenig Widerstand hatte. Äcker blieben unbearbeitet und unbebaut. Die
strategisch außerordentlich wichtige Schanze am Berghsen Hoofd wurde innerhalb
eines Jahres vier mal erobert und wiedererobert. In dieser Gegend hat sich
ein ganzes Stück Kriegsgeschichte abgespielt. Wir kennen nur die Tatsachen
und Jahreszahlen; keine Einzelheiten wurden veröffentlicht. Was die Bevölkerung
unter dies alles zu leiden hatte, kann man nur raten.
Aber, wenn man liest, daß der Vorstand der Gemeinde Nimwegen
forderte, daß die Schanze am Berghsen Hoofd entweder wieder erobert oder daß
Gegenschanze aufgeworfen werden sollten "um den Kriegsleute das Auslaufen
zu verhindern", kann man das zwischen den Zeilen lesend, hinreichend
verstehen. Plünderung, Brandschatzen und Kämpfe auf Tod und Leben müssen in
dieser Zeit regelmäßig stattgefunden haben.
Spanier oder Geuse, es war der Bevölkerung gleich. "De
Geus die wil ons hencken, de Spangiaart sal ons krencken" so lautete
einen alten Reimspruch aus dieser Zeit. Irgendwie, der Bauer mußte immer herhalten.
jedoch, trotz aller Widerwärtigkeiten wußten unsere Vorfahren zu überleben
und sich bis auf den heutigen Tag in dieser Gegend zu behaupten.
Ein allgemein
geführtes Familienwappen wurde nicht gefunden. In dem Centraal Bureau
voor Genealogie in's-Gravenhage befindet sich die bekannte "Kollektion
Muschart", wo die Namen van der Wade, van ter Wade,
van der Waden, van der Waeden und Verwaijen vorkommen.
An die oben unter nr. 11 erwähnte Urkunde vom 29 Oktober
1459 hängen viele Siegel, worunter das von Arndt van der Waeden mit
drei schrägen Balken, von links oben nach rechts unten.
In der Kollektion Muschart trifft man weiter eine Aufzeichnung
betreffende ein Siegel, hängend von Charter 2948A im Hertogelijk Archief van
Gelderland, ein Bundesbrief vom 17 April 1436. "Aernt van der Waede
Knappe" unterzeichnet diesen Bundesbrief zwischen der Ritterschaft
und den Städten des Landes van Gelre im Namen der Stadt Nimwegen. Muschart
umschreibt das Siegel als: "drei Schrägbalken mit der Randeinschrift
"van der Waden". Es handelt sich hier also bestimmt um dieselbe
Person.
Hiernach beschreibt Muschart ein Siegel von Lambert
van der Wade, der sich im Jahre 1396 herausstellt als Schöffe zu Culemborg
und der am 21 Mai 1407 Heiratsbedingungen abschließt mit Geertruut, Tochter
von Henric Rijebeek. Das Siegel von Lambert wird umschrieben als: "drei
Säulen, begleitet von einem kleinen Stern zwischen den zwei oberen Säulen
und um das Schild herum einen gezahnten Rand".
Ein anderer Lambert, mit Familienname van der Waeden,
stellt sich am 2 September 1515 heraus als "Richter toe Xanthum".
Dieser Lambert hat ein Siegel mit "einem Querbalken, begleitet oben rechts
von einem Lindenblatt, mit als Randeinschrift den Familiennamen "van
der Waeden". Übrigens: in dem Text dieser akte wird der Familienname
buchstabiert als: "van der Waeijenn".
Wir kennen auch noch das Zeichen, daß Schöffe Gaerdt
Verwaeijen anhängen ließ an die in seiner Gegenwart angefertigte Akten.
Es ist außerordentlich einfach und kommt vor in zwei Ausführungen, beide Variationen
vom selben Grundzeichen. Gaerdt amtiert am 16 Mei 1615 als Schöffe zu Gendt.
Sein Siegel, bedeckt mit eine Papierrhombus, findet man im Archiv Civiele
Processen van het Hof van Gelderland, Jahr 1620 II. Aus dieser selben Quelle
lernen wir, daß Gaerdt Verwaijen verheiratet ist mit Jenneken Liffers
und am 6. Januar 1617 in Gendt wohnhaft ist. Jenneken kann nicht schreiben,
Gaerdt ist mit sicherheit Bauer, denn er spricht von "seinem Pflug, der
sein Land baute". Sehr viel Leute, die nicht lesen und schreiben konnten,
zeichneten gewöhnlich mit so ein Zeichen als Unterschrift. Auch als "Hauszeichen"
kann man es oft antreffen, wenn zum Beispiel das Zeichen in Form eines Mauerankers
an das Haus befestigt wurde.
In der Kollektion Muschart finden wir noch ein Siegel auf
das oben erwähnte Grundzeichen beruhend. Am 4. Mai 1634 ist Jan Ver Waijen
Schöffe zu Bijlandt und Millingen. Diese Variation kommt vor als Siegel mit
einer Papierrhombus im Archiv "Civiele Processen van het Hof van Gelderland",
Jahr 1637 II. Mit Rücksicht auf die Übereinstimmung in Gestaltung dieses Siegels
und das Siegel von erwähnten Gaerdt Verwaeijen scheint es annehmbar,
daß dieser Johan Ver Waijen und Gaerdt Verwaeijen Brüder waren.
Zum Schluß gibt es noch das Wappen, daß Anfang letztes Jahrhunderts
als Siegel benutzt worden ist vom Verwaaijen's aus Griethausen. Es
ist klar daß es kein adliges oder in die heraldische Register aufgenommenes
Wappen ist. Wahrscheinlich ist es inspiriert auf die Quelle des hohen Wohlstandsniveaus
in diesem Zweig der Familie: das Müllergeschäft.
In diesem Siegel (der ursprüngliche Stahlstempel war Eigentum des verstorbenen Herrn Ernst Delbeck zu Kleve) sieht man in einem Wappenschild eine Windkornmühle mit den Flügeln in Form eines "Andreaskreuzes" abgebildet, d.h. der "overhekstand", wobei die Mühlenflügel in einem Winkel von 45 Grad mit dem Horizont stehen. In der "Mühlensprache" bedeutet das, daß die Mühle für längere Zeit abgestellt ist. Oben am Schilde sieht man einen "Helmbusch" mit einem Helm und obenhinaus von links nach rechts einen Dreschflegel, eine Heugabel und eine Sense. Die Mühle selbst ist begleitet rechts von einer Korngarbe und links von einem mit Garben (?) geladenen Bauernwagen. Eine Farbandeutung wurde nicht gefunden.
Obwohl der Umfang dieser Genealogie etwas anderes vermuten
läßt, ist die Anzahl der im Moment lebenden Verwa(a)ijen Abkömmlinge
verhältnismäßig gering. Eine grobe Schätzung ergibt eine Zahl von ungefähr
siebenhundert. Bei einem Familientreffen würde das zwar ein imponierendes
Gruppenbild einbringen, jedoch gemessen an die totale Bevölkerung unseres
Landes ist es eigentlich nur ganz wenig. Bei der Verfassung dieser Genealogie
wurde dies auch deutlich. Bis jetzt konnte fast jeder neu gefundene Verwa(a)ijen
mit wenig Mühe aufseinen Platz in der Genealogie eingepaßt werden.
Ein kleiner Teil der Verwa(a)ijen's hat sich über
die ganze Erde verbreitet. Wir finden Namensvetter in Nord und Süd Amerika,
in Kanada, Asien, Australien, Süd Afrika und in verschiedenen Europäischen
Länder.
Daß besonders in Deutschland - und speziell der direkt am
Niederländischen Ursprungsgebiet grenzende Teil - eine große Anzahl Familienmitglieder
zu finden sind, darf kein Erstaunen erwecken. Oft waren natürliche Barrieren
wie die großen Flüsse eine schwieriger zu Überschreiten als die offizielle
Landesgrenzen. Nicht nur wechselten diese Letzten wiederholt ihre Lage, aber
man brauchte beim Überschreiten der Grenze nicht oder kaum Formalitäten zu
entsprechen.
Auch in den historischen Enklaven in dieser Gegend hinterliessen
Mitglieder unseres Stammbaumes ihre Spuren.
Diese Enklaven waren die ehemaligen Klevisch-Preußischen
Gebiete in unserem Land, wie Hulhuizen, Huisen, Zevenaar, Liemers und Wehl.
Speziell Hulhuizen war für unsere fast alle Römisch-Katholischen Vorahnen
vom größten Belang. Das pflichtmäßig Erfüllen von katholisch kirchlichen Verpflichtungen,
wie zum Beispiel "Ostern feiern", kirchliche Trauungen und Taufen
waren nach der Reformation nicht mehr möglich, konnte aber in Orten wie Hulhuizen
noch immer stattfinden.
In einem Umkreis von vielen Stunden kamen die Leute dann
auch zu diesen Enklaven, wie man heute noch nachsehen kann in den aufbewahrten
Tauf- und Heiratsregistern der katholischen Stationskirche.
Doch es ist eine bemerkenswerte Sache, daß auch heute noch
immer soviele Verwa(a)ijen's so nahe beim Ort ihrer Wohnsitz haben,
wo man vor sechs Jahrhunderte die ersten traf.
Wenn man auf einer Landkarte einen Kreis zeichnet, mit dem
oben erwähnten Ritterhof "De Waeij" zu Angeren als Mittelpunkt,
braucht man den Halbmesser nur zwanzig Kilometer lang zu machen um den größten
Teil der Verwa(a)ijen's zu umfassen. Und die Übrigen kann man, wenn
man nur wenige Generationen zurückschaut, ebenfalls alle in dieser kleinen
Gegend unterbringen.
Selbstverständlich
ist die nachstehende "GenealogieVerwa(a)ijen" bei weitem
nicht vollständig, indem ohne Zweifel hier und da Fehler eingeschlichen sein
werden. Aber nicht nur mit dem Vorrücken des Komputers in die archive werden
im Zukunft bestimmt noch viel mehr Namen, Einzelheiten und Daten hinsichtlich
unserer Vorfahren preisgeben, sondern auch in unsere Zeit werden Kinder geboren,
heiraten Leute und wird jeder der Reihe nach einmal sterben. Die Genealogie
unserer Familie wird dadurch niemals ganz fertig sein und eigentlich ist das
schon richtig. Die folgende Generationen können dann der Reihe nach ihren
Beitrag an die Verwa(a)ijen Chronik liefern.
Inzwischen
werden wir selbstverständlich jede Verbesserung und/oder Ergänzung seitens
interessierter Leser herzlich bewillkommen.